Sprachtherapie

Die Diagnostik und Behandlung von Störungen der Sprache, der Sprechmotorik, der Stimme und der Schluckmotorik bildet einen besonderen Schwerpunkt der neurologischen Abteilung der m&i-Fachklinik Enzensberg.

Auf den folgenden Seiten sowie untenstehend auf dieser Seite finden Sie detaillierte Informationen zu unserer Aphasiestation und zu unserer Arbeitsweise bei der Behandlung der verschiedenen Störungsbilder.

  • Diagnostik und Behandlung von Sprachstörungen (Aphasie)
  • Diagnostik und Behandlung von Schluckstörungen (Dysphagie)
  • Diagnostik und Behandlung von sprechmotorischen Störungen (Dysarthrie)
  • Diagnostik und Behandlung von Stimmstörungen (Dysphonie)
  • Diagnostik und Behandlung von Störungen des Lesens und Schreibens
  • Ambulante Sprachtherapie: Sprachambulanz
  • Aphasie
  • Dysphagie
  • Dysarthrie
  • Dysphonie
  • Ambulante Sprachtherapie

Aphasie

Aphasie ist eine zentrale Sprachstörung, die bei Erwachsenen als Folge einer Hirnverletzung eintritt. Die häufigste Ursache für eine Aphasie ist der Schlaganfall. Aber auch ein Hirntumor oder eine Schädel-Hirn-Verletzung, z. B. durch einen Unfall oder eine Hirnoperation können Ursache einer Aphasie sein.
Eine Aphasie ist eine Sprachstörung, die sich durch Beeinträchtigungen in allen sprachlichen Leistungen, also beim Sprechen, beim Sprachverstehen, beim Lesen, beim Schreiben und bei der Zahlenverarbeitung zeigt.

Allerdings ist eine Aphasie keine „Denkstörung“, d. h. aphasische Patienten sind nicht verwirrt. In Gesprächen wissen sie meist genau, was sie sagen wollen. Sobald sie jedoch versuchen, es in Worte zu fassen, werden sie durch aphasische Symptome behindert: Sehr schwer gestörte Patienten sind überhaupt nicht in der Lage zu sprechen. Mittelschwer oder leicht gestörte Patienten zeigen häufig aphasische Symptome wie Wortfindungsstörungen, grammatische Störungen des Satzbaus („Agrammatismus“ oder „Paragrammatismus“), Verwechslung von Lauten („phonematische Paraphasien“, z. B. „Tif“ statt „Tisch“) oder Verwechslungen von Wörtern mit ähnlicher Bedeutung („semantische Paraphasien“, z.B. „Stuhl“ statt „Tisch“). Solche Symptome kommen nicht nur beim Sprechen, sondern auch beim Verstehen, beim Lesen und Schreiben vor.

In den ersten Monaten nach einer Hirnverletzung bilden sich Aphasien häufig von allein ganz oder teilweise zurück, man nennt dies „Spontanremission“. Wenn dieser Zeitraum vorbei ist, kommt es von alleine zu keiner weiteren Besserung. Wir wissen jedoch aus vielen Studien, dass durch intensive Sprachtherapie, d. h. eine 60-minütige Behandlung täglich über einen Zeitraum von mindestens 6 Wochen, bei etwa zwei Dritteln der Patienten eine signifikante sprachliche Verbesserung zu erzielen ist. Dies ist auch mehrere Jahre nach Eintritt der Erkrankung noch möglich. Leider bedeutet das in der Regel aber nicht, dass die Aphasie dadurch etwa völlig beseitigt wird: Obwohl die Störung in vielen Fällen durch intensive Therapie deutlich gebessert wird, müssen viele Betroffene Zeit ihres Lebens mit mehr oder wenigen stark ausgeprägten Sprachstörungen leben.

Dysphagie

Nach Hirnschädigungen durch Schlaganfall oder durch Kopfverletzungen oder im Rahmen neurologischer Erkrankungen kann es zu schluckmotorischen Störungen kommen. Diese äußern sich so, dass der betroffene Patient entweder gar nicht schlucken kann, oder dass beim Schlucken ein Teil der Speise oder Flüssigkeit in die oberen oder unteren Luftwege gelangt. Dies kann für den Patienten sehr gefährlich sein, weil es zu Erstickungsgefahr oder auch zu einer Pneumonie (Lungenentzündung) führen kann. Häufig leiden Patienten mit Schluckstörungen auch unter einer Sprechstörung (Dysarthrie).

Bei Verdacht auf Schluckstörung führen wir zunächst eine ausführliche klinische Schluckuntersuchung und, wenn es erforderlich ist, eine videofluoroskopische Untersuchung bei uns im Hause durch. Bei der videofluoroskopischen Untersuchung wird der Patient beim Schlucken von fester und breiförmiger Kost und beim Schlucken von Flüssigkeit geröntgt und der Film wird auf Video aufgezeichnet.

Dadurch wird eine genaue Diagnostik der Schluckmotorik möglich und wir können aufgrund dieser Diagnostik therapeutische Strategien entwickeln. Im Anschluss an diese Untersuchung legen wir eine Kostform fest, die den Patienten möglichst nicht gefährdet. Bei besonders schweren Störungen kann dies bedeuten, dass der Patient zunächst künstlich ernährt werden muss. Dann beginnen wir mit spezifischer Schlucktherapie. Bei dieser Behandlung lernt der Patient, trotz der bestehenden Störung möglichst effizient zu schlucken. In vielen Fällen wird es Patienten durch eine solche Behandlung möglich, wieder normales Essen zu sich zu nehmen.

Dysarthrie

Nach Hirnschädigung durch Schlaganfall oder Kopfverletzung und im Rahmen von neurologischen Erkrankungen kann es zu Sprechstörungen (Dysarthrie) kommen. Dies bedeutet, dass die Kontrolle des Gehirns über die zum Sprechen notwendigen Bewegungen, also z. B. die Bewegungen der Zunge, der Lippen, des Velums und der Stimmlippen gestört ist. Die betroffenen Patienten haben deshalb Probleme im Bereich der Artikulation, der Stimme, und der Sprechatmung. Die Folge ist, dass das Sprechen im Extremfall gar nicht möglich ist, oder aber dass das Sprechen ganz oder teilweise unverständlich ist oder dass es zumindest mehr oder weniger stark verändert klingt. Häufig bestehen im Zusammenhang mit einer Dysarthrie auch Schluckstörungen.

Dysarthrien sind in hohem Maße behandlungsbedürftig, schon deswegen, weil sie die beruflichen Möglichkeiten betroffener Patienten erheblich einschränken. Verständliches Sprechen ist in fast jedem Beruf erforderlich und natürlich auch im privaten Bereich für eine selbstständige Lebensführung notwendig. Die erfolgreiche Behandlung setzt umfangreiche diagnostische und therapeutische Möglichkeiten voraus.

Bei der Diagnostik und auch zur Behandlung von Dysarthrie setzen wir computergesteuerte Geräte ein, die einerseits verschiedene Aspekte der Sprechmotorik objektiv messen können. Dies ist wichtig für die Diagnostik und auch für die Verlaufskontrolle in der Behandlung. Andererseits können diese Geräte auch Aspekte der Sprechmotorik für den Patienten sichtbar machen, so dass sie als Biofeedback-Verfahren in der Sprachtherapie eingesetzt werden können. Im Einzelnen verwenden wir einen „Laryngographen“ (Elektroglottographen) zum Messen von Stimmlippenschwingungen, ein „Visipitch“ zum Messen und Sichtbarmachen von Tonhöhe und Lautstärke, ein „Nasometer“ zum Messen und Sichtbarmachen von Velumbewegungen und Nasalität und einen „Spektrographen“ zum Messen von Artikulationsparametern einzelner Laute.

Dysphonie

Stimmstörungen können viele verschiedene Ursachen haben. Die in unserer Klinik häufigste Ursache ist eine Verletzung der Nerven, die die Stimmlippen versorgen (z. B. der „nervus recurrens“).

Stimmstörungen können bewirken, dass die Stimme ganz wegbleibt, oder dass sie rau und heiser klingt und wenig belastbar ist. Gerade in sogenannten „Sprecherberufen“, in denen unterrichtet wird, Vorträge gehalten, Verhandlungen geführt oder einfach viele Gespräche mit Kunden oder Mitarbeitern geführt werden, kann eine Stimmstörung ein wesentlicher Hinderungsgrund für die Wiederaufnahme der Berufstätigkeit sein. Durch intensive Stimmtherapie können die Symptome wesentlich gebessert werden, und in vielen Fällen kann eine vollkommen normale Stimme wiedererlangt werden. Wir bieten für betroffene Patienten eine intensive logopädische Stimmtherapie an, in der komplexe therapeutische Techniken (wie z. B. die „Akzentmethode") und computergestützte Geräte eingesetzt werden.

Beispielsweise verwenden wir zum Messen des Schwingungsverhaltens der Stimmlippen einen Laryngographen (Elektroglottographen) und zum Messen und Sichtbarmachen der Tonhöhe und Lautstärke ein „Visipitch“ Gerät. Diese Geräte werden einerseits in der Diagnostik und Verlaufskontrolle eingesetzt, anderseits auch als Biofeedback unmittelbar in der Therapie verwendet.

Ambulante Sprachtherapie

In unserer Sprachambulanz werden alle Arten von Sprach-, Sprech- und Stimmstörungen auf ärztliche Verordnung diagnostiziert und behandelt. Einerseits steht die Sprachambulanz den sprachgestörten Patienten zur Verfügung, die auf unserer Aphasiestation behandelt wurden und nach der Entlassung ambulant weiter behandelt werden sollen und möchten. Andererseits steht die Sprachambulanz auch anderen Patienten zur Verfügung, beispielsweise Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen oder Patienten mit Stimmstörungen.

Zusätzlich zu unserem Spezialgebiet Aphasie haben wir in der Sprachambulanz ein weiteres Spezialgebiet im Bereich der Diagnostik und Behandlung von Entwicklungsdyslexien und -dysgraphien („Legasthenie“) aufgebaut, in dem uns sehr spezielle Diagnostik und Therapiemethoden – auch in Form von selbstentwickelten Computerprogrammen – zur Verfügung stehen.

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