"Wir müssen dem Patienten Hoffnung geben"


Hopfen am See Die zehnten Enzensberger Schmerztage, die am morgigen Freitag und Samstag in der Fachklinik Enzensberg in Hopfen am See stattfinden, beschäftigen sich mit dem Thema die Macht der Worte. Die Workshops und Vorträge richten sich an Ärzte, Physiotherapeuten oder Psychologen. Im Interview mit unserer Zeitung erklärt Chefarzt des Schmerzentrums und Facharzt für Orthopädie und Physikalische und Rehabilitative Medizin, Dr. Klaus Klimczyk (65), warum Kommunikation wichtig ist.

Die zehnten Enzensberger Schmerztage stehen unter dem Motto "Die Macht der Worte". Als Beispiel zitieren Sie Obamas "Yes we can" oder Trumps "America first". Welche Macht können Worte in der Schmerztherape haben?

Klaus Klimczyk: Es gibt ganz viele negative Worte. Zum Beispiel: Ihnen kann man nicht helfen. Das ist so ein Killersatz. Oder: Wenn Sie sich nicht operieren lassen, landen Sie im Rollstuhl. Das sind ganz viele Wörter, die den Patienten aus dem Lebensgleichgewicht bringen. Wir wissen ja auch, dass die Art und Weise, wie Worte gesagt werden, eine ungeheure Rolle spielen. Das Wichtigste, was wir einem Patienten geben müssen, ist Hoffnung. Wir müssen ihm Handwerkszeug mitgeben, dass er selbst etwas für sich tun kann und er sein Schicksal wieder selbst in die Hand nimmt. Indem er ein eigenes Verständnis für seine Erkrankung bekommt und lernt, dagegen zu steuern. Das Allerwichtigste bei der stationären Behandlung ist, dass der Patient spürt, dass es funktioniert. Er muss also positive Erfahrungen machen. Nur dann ist er bereit, es zu Hause in die Praxis umzusetzen. Gute Kommunikation gibt dem Patienten Hoffnung, aus dem Teufelskreis der Schmerzen herauszukommen.

Was war damals die Idee für die ersten Schmerztage?

Klimczyk: Wir haben das Schmerzzentrum gegründet und zusammen mit den Kostenträgern die ersten Enzensberger Schmerztage veranstaltet. Auf der anderen Seite fanden wir das natürlich sehr spannend. Diese Veranstaltung setzt sehr viele Ideen und Kräfte frei. Die Schmerztage kamen gut an und haben Spaß gemacht. Wir beschäftigen uns mit einem Thema, gehen das intensiv an und lernen etwas dabei. Außerdem können wir unsere Schmerzkompetenz an andere weitergeben. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt.

Bei den vergangen Schmerztagen wurden Themen behandelt wie schwierige Schmerzpatienten, chronische Rückenschmerzen oder Schmerz und Sexualität. Welche Themen kommen besonders gut bei den Teilnehmern an?

Klimczyk: Das aktuelle Thema Kommunikation - wir waren nach sechs Wochen komplett ausgebucht - ist der Kracher. Das Thema Rückenschmerzen kam auch gut an, aber nicht annähernd so wie das aktuelle. Kommunikation ist ein wichtiges Thema und immer interessant. Wir wissen, dass der Umgang mit Patienten eine immer größere Herausforderung wird. Die wollen immer mehr wissen und informieren sich im Internet. Dort bekommen sie aber auch abstruse Informationen und sind dann teilweise völlig verunsichert. Diese Medien müssen wir lernen zu nutzen: Wie können wir Patienten über Kurzvideos informieren. Ein Thema dabei ist auch der Umgang mit Apps. Jeden von uns betrifft das Thema - deshalb ist das so wichtig.

Inwiefern können Patienten von dieser Tagung profitieren?

Klimczyk: Insbesondere in den Workshops werden praktische Beispiele in verbaler und auch nonverbaler Kommunikation mit den Behandlern eingeübt. Was dem Behandler hilft, hilft letztendlich auch dem Patienten.

"Begegne deinem Schmerzwolf" ist ein Workshop mit dem Allgäuer Improtheater Die Wendejacken. Was erwartet die Teilnehmer?

Klimczyk: Die Wendejacken sollen die Leúte durch verrückte Sachen  ins Gespräch bringen. Es geht um Improvisation und um Spaß an der Sprache. Wir denken alle sehr in Bahnen und in Leitlinien und das ist ganz schlecht. Wir müssen über den Tellerrand blicken und verrückter denken. Auch mal ungehorsam sein und es mal ganz anders machen als bisher. Das sagen wir auch unseren Patienten. Die bisherigen Therapien haben nicht geholfen, nun geht es darum, etwas mal ganz anders zu machen und den Standpunkt zu wechseln.

 

Interview: Felix Futschik

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